Sonntag, 24. August 2014

Casual-Games sind nichts für Gamer...


...bzw. für diejenigen, die sich als "Gamer" bezeichnen. Casual Games sind verpönt und als neues und mächtiges Genre scheinen sie die Branche zu okkupieren. Wenn deine Mutter plötzlich über Videospiele spricht, weil sie Moorhuhn, Farmville oder Angry Birds kennt, dann läuft irgendwas höchst verkehrt. Prompt verkündet der Digitalhipster, er habe bereits gezockt, bevor es cool wurde. Es wird mit Definitionen um sich geworfen und der "wahre" Gamer verspürt den Drang sich zu rehabilitieren und seine Kredibilität zu beweisen, um die Spiele des Feindbilds abzuwerten. Das Ganze wird letztendlich durch Halbwissen und hysterische Diskussionen zu einer Definitionsverzerrung und mündet in purem Gamefaschismus. Haben Casual Games das überhaupt verdient?

Fangen wir beim ersten Missverständnis an: Was sind Casual Games? Also wahrscheinlich erstmal alles, was für die Nintendo-Konsolen der letzten Jahre rausgekommen ist, oder? Gleiches gilt für Kinect und Playstation Move, und wie ich hörte, betrifft diese Seuche mittlerweile auch Call Of Duty: Ghosts. Vergesst bitte diesen ganzen Quatsch! Der Begriff wird mittlerweile derart inflationär und ohne Sinn und Verstand durch die Gegend gespien und verliert sich in der Ahnungslosigkeit des Pöbels. Casual Games sind Gelegenheitsspiele! Das bedeutet, dass sie nicht regelmäßig, sondern immer mal zwischendurch gespielt werden. Vergleicht es einfach mit der einen Runde Monopoly, die ihr einmal im Jahr mit euren Eltern zu Weihnachten spielt - in meiner Familie ist es übrigens Kniffel. Es sind Spiele, die kurzweilig Spaß machen, die intuitiv erlernbar und selbsterklärend sind und keine besonderen, spielerischen Fähigkeiten benötigen. Sie können schnell gestartet und schnell beendet werden und setzen weder auf ein längerfristiges Ziel, noch einen Handlungsleitfaden. Man spielt sie des Spielens Willen, was heutzutage im starken Kontrast zu sämtlichen anderen Spielformen steht, die eine übergeordnete Motivation voraussetzen.

Demzufolge sind sie absolut nichts Neues und verwurzelter in die Videospielgeschichte, als man oberflächlich vermuten würde. Denkt man an die ersten erfolgreichen Videospiele, wie Pong, Pac-Man und Space Invaders, so sind diese Klassiker aus heutiger Sicht absolute Casual Games. Was sich jedoch bis heute verbessern musste, ist die Verfügbarkeit. Jemand, der selten Videospiele spielt, spart sich in der Regel die paar Hundert Euro für eine Konsole oder einen Handheld. Hier kommen Handys oder Smartphones ins Spiel. Wer 1997 Teil des Nokia-Zeitalters war, der hat wahrscheinlich bei jeder Gelegenheit Snake gespielt. Da Casual Games keinen besonderen Wert auf fotorealistische Grafik setzen, laufen sie auf alltagstauglicher Hardware und finden auf diesem Weg ihre weitreichende Nachfrage. In Bezug auf die Verbreitung von PCs, Notebooks, Smartphones und Tablets auch in Kombination mit sozialen Netzwerken, ist es absolut kein Wunder, dass Spiele wie Candy Crush Saga im November 2013 insgesamt 500 Millionen Mal über Facebook- oder Android-Geräte installiert wurden. Das zeigt deutlich, dass eine Nachfrage schon immer vorhanden war, sich aber allgemeingültige Plattformen etablieren mussten. Menschen spielen eben gerne, egal ob sie mit einem zerknüllten Blatt ihren Papierkorb treffen oder mit einem einzigen Versuch Rückwärts einparken wollen, oder in der Straßenbahn mal eben eine Runde Flappy Bird daddeln.

Aber warum werden Casual Games derart von der Community entwertet, obwohl sie mittlerweile schon zum festen Bestandteil der Branche geworden sind? Ich kann nur vermuten, dass sich der Gamer derart an seinen gesellschaftlichen Außenseiterstatus gewöhnt hat, dass er sich seiner Individualität und seinen Fähigkeiten beraubt sieht. Videospiele benötigen ein gewisses Maß an Hingabe, Fachwissen und Hand- und Augenkoordination, was zu einer Exklusivität im Konsum führt. Plötzlich kommen Spiele um die Ecke, die jeder spielen kann, die schon mit wenigen Mitteln ein Erfolgserlebnis liefern. Diese in einen Topf mit den aufwendigen Produktionen eines Core-Games zu stecken scheint einfach unfair zu sein und deren Qualität nicht zu würdigen. Gaming wird heute mit emotionalen Erlebnissen verbunden, mit tiefgreifenden, fesselnden Geschichten, mit komplexen Herausforderungen in realistischen, durchdachten Welten. Es ist richtig, dass Casual Games nicht diesen Anspruch verfolgen, was sie jedoch nicht minderwertig macht. Sie legen nur einen anderen Fokus auf die Verwendung. Videospiele müssen nicht immer episch sein, sie müssen nicht immer Geschichten erzählen, sie müssen nicht immer anspruchsvoll sein. Manchmal sollte es einfach genügen, dass man beim Spielen Spaß empfindet, egal wie dieser ausgelöst wird. Ebenso sollte man nicht vergessen, dass Casual Games eine Einstiegsdroge sein können, die zudem die Wahrnehmung von Videospielen in der Gesellschaft verdichtet und Schnittstellen zwischen den Kulturen schafft, was eigentlich in unser aller Interesse liegen sollte. So, genug geschrieben! Wenn mich jemand sucht, ich hau mich mal mit meinem Tablet auf die Couch!

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