Mittwoch, 27. August 2014

inFamous First Light: Ein Traum in Neonlicht


Da sitzt sie nun in minimalistischer aber bequemer Sträflingskleidung, die Hände mit einer scheinbar viel zu übertriebenen Versiegelung aneinander fixiert. Sie ist eine Gefangene der D.U.P., der Department Of Unified Protection, und ihre Festnahme dient nur einem Zweck: Dem Schutz der Außenwelt vor ihrer Macht. Ihr Name ist Abigail Walker alias Fetch und sie ist eine Conduit, ein mysteriöser Schlag Mensch, der vor sieben Jahren plötzlich auftauchte und mit der Fähigkeit ausgestattet ist, Materie zu manipulieren. Ihr Blick ist gesenkt und sie zeigt keine Form von Gegenwehr, nicht wissend was ihr blühen wird. Sie befindet sich nicht nur in Gefangenschaft, sie befindet sich gerade in einem Verhör. Eine weibliche Stimme möchte Klarheit über Fetchs Verbleib und was ihr widerfuhr, und so holt Fetch Luft und beginnt nach anfänglicher Skepsis zu sprechen. Zuletzt schlug sie sich mit ihrem Bruder Brent als Obdachlose durchs Leben, und gerade als ein Boot den Ausbruch aus dem Elend vervollständigen sollte, wird Brent Opfer einer Entführung durch die russische Mafia. Als der geheimnisvoller Gauner Shane seine Hilfe anbietet, willigt Fetch ein.

inFamous: First Light ist mehr als nur ein Standalone-DLC zu inFamous: Second Son. Es ist mehr ein Mini-Spin-Off, welches keine Abstriche in Punkto Inszenierung macht. Der Serie treu bleibend, bewegst du dich als Fetch in gewohnter Open-World-Manier durch Seattle und arbeitest dich unter Anweisung von Shane durch diverse Missionen, die über die Karte verteilt abgefrühstückt werden. Fetch hat die Fähigkeit Neonlicht zu ihren Gunsten einzusetzen. Dadurch kann sie nicht nur blitzschnell durch die Stadt- oder Wände hinauf rennen, sondern auch Projektile abfeuern und vernichtende Nahkampfangriffe vom Stapel lassen. Weitere Attacken werden im Laufe der Handlung freigeschaltet, die in Etappen zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin- und herwechselt. In der Gegenwart befindet sich Fetch in einer Arena der D.U.P. wo ihr die weibliche Befehlsperson mit der Entwicklung ihrer Kräfte behilflich sein möchte. Die hauptsächliche Handlung findet jedoch in der Vergangenheit statt. Fetchs Fähigkeiten sind an eine Neon-Leiste gebunden, die durch das Absorbieren von Neonlicht immer wieder aufgefüllt werden muss. Gleichzeitig können auch die Fähigkeiten selbst mittels gesammelter Punkte (SP) verbessert werden. SP schweben nicht nur in der Stadt umher, du bekommst sie ebenfalls durch das Besiegen von Gegnern oder dem absolvieren von kleinen Fleißaufgaben, die sich über die ganze Stadt erstrecken. Dazu gehört das Jagen- und Einfangen von Neonenergie, das Retten von Shanes Verbündeten oder andere Aufgaben, die sich im Laufe der Geschichte anhäufen.

Nach einer kleinen Eingewöhnungsphase geht die Steuerung ziemlich flüssig von der Hand. Das Merkmal der Reihe, einen übermächtigen Menschen zu steuern, mündet zwar in ein sehr schnelles Gameplay, welches sich jedoch gut kontrollieren lässt. Auch die Schusswechsel mit der Neonenergie besitzen einen gewissen Kniff. Mit dem Drücken des L2-Buttons werden Schwachstellen der Gegner hervorgehoben, die sich an Arm-, Bein- oder am Kopf befinden. Mit diesem Anvisieren wird zudem die Zeit kurz verlangsamt. So ist präzises Schießen möglich, was ebenso zur Atmosphäre beiträgt. Es ist, wie es ist: In inFamous bist du zum flächendeckenden Austeilen zuständig, und Fetch erfüllt diesen Zweck ziemlich gut, auch in Bezug auf die sinnvolle Kombination der verfügbaren Kräfte. Diese werden mit dem ersten Vorkommen zunächst in der Arena der D.U.P. trainiert, so dass niemand ins kalte Wasser geworfen wird. Spaß machen die Kämpfe demnach allemal und fügen sich in Kombination mit der hervorragenden grafischen Gestaltung und dem Gameplay zu einem cineastischen Erlebnis zusammen. Da spielt das Auge definitiv mit. Je nach Anspruch funktioniert dieser Fluss jedoch ein wenig ZU gut, denn der Schwierigkeitsgrad nach meinem Ermessen kaum bemerkbar, auch weil das Spiel nach heutigem Standard auf Selbstheilung setzt und sich Fetch aufgrund von ihrer Geschwindigkeit immer mal wieder für ein paar Sekunden in Sicherheit begeben kann. Es wird zwar für genug Gegenwehr gesorgt, um ihre Überlegenheit auszugleichen, aber grundsätzlich schafft man es stets das Umfeld ohne viel Panik zu pulverisieren. Aber auch abseits vom Kampf macht allein die Manövrierung durch die Stadt richtig viel Laune und wird durch Neonwolken, die beim durchqueren für einen kurzen Geschwindigkeitsschub sorgen, zusätzlich unterstützt.

Die Präsentation des Spiels ist definitiv ein Glanzstück. Von der Cineastik, der schauspielerischen Leistung der Protagonisten auch in gefühlsbetonter Mimik, bis zum Detailreichtum- und der Weitsicht der Stadt, inFamous: First Light ist kein halbherziges Projekt abseits des Hauptspiels, um den Fanboys mal eben ein paar Groschen aus der Tasche zu ziehen, sondern ein eigenständiges, durchdachtes kleines Meisterwerk, mit sehr viel Emotion und einigen Wendepunkten und abwechslungsreichen Ideen in der Story. Gerade für mich, für den Open-World-Games mit viel Arbeit und Eintönigkeit verbunden werden, ist die vier Stunden lange Geschichte so konzipiert, dass Spannung entsteht, die nicht mit Langeweile und öden Erkundungsgängen gefüllt werden muss. Auch auf Gefahr hin mal wieder auf Beschwerden zu stoßen, möchte ich ebenfalls die deutsche Lokalisierung loben. Gerade die Stimme von Fetch, die im Gegensatz zur sonstigen Stimmenfindung etwas heiser und rotzig klingt, wirkt sehr natürlich und herausragend. Bei einem Preis von 15 Euro bleibt also kein Grund zur Beschwerde, sei es auch der erste Kontakt mit dem Franchise!

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