Freitag, 23. Oktober 2015

Destiny ist endlich komplett!


Es ist ungefähr ein Jahr her, seit ich einen ganzen Stapel an Lanzen für Destiny gebrochen habe. Bezieht man das Video über die Beta-Version mit ein, habe ich insgesamt fünf Videos zum SciFi-MMO-Shooter der Halo-Schmiede Bungie rausgehauen. Die grundsätzliche Stimmung war skeptisch, die Reaktionen zerreißend und die Reviews undifferenziert bis abweisend. Dennoch konnte Destiny im Februar 2015 insgesamt 17 Millionen registrierte Spieler verzeichnen, im März kam noch eine Million dazu und in Mai stieg die Zahl trotz aller Hürden auf stolze 20 Millionen an. Dennoch blieben die Lager gespalten. Bei vielen erfreute sich die MMO-Sause größter Beliebtheit, teilweise ohne genaues Wissen über den Grund. Andere kritisierten die falschen Versprechen, das Ausbleiben einer umfangreichen Story und die geringen Inhalte im Kontrast zu den Produktionskosten von branchenunüblichen 500 Millionen US-Dollar. Destiny war eben auch ein sehr unübliches Rollenspiel, welches in jeder Hinsicht unsagbar viel Zeit in Anspruch nahm. Loot war kaum vorhanden, es gab unterschiedliche Orden, dessen Ansehen es zu verdienen galt und einen Lichtlevel, der ausschließlich über die Rüstung definiert wurde, die man sich hart durch eine Kombination aller Voraussetzungen verdienen musste. Destiny machte vieles grundlegend anders und oftmals hatte ich den Eindruck, die Spieler würden dies einfach nicht verstehen. Anders kann ich mir nicht erklären, warum viele stundenlang vor den Loot-Höhlen kampierten, um letztendlich kaum Vorteile daraus zu ziehen. Womit Destiny durchgängig punkten konnte, war das durch Halo inspirierte, aber dennoch geschliffene Gameplay. Zwei DLCs mit Bonuscontent gingen ins Land, die ich ebenso genoss, jedoch das Spielgefühl nicht maßgeblich änderten.
Als Destiny: König der Besessenen angekündigt wurde, interessierte mich das null. Ich war mit anderen Spielen beschäftigt und vermutete ein neues, kurzweiliges Update, welches bestimmt Spaß machen, aber schnell in der Erinnerung verblassen würde. Neugierig machten mich die Reaktionen in den sozialen Netzwerken, vor allem derjenigen, welche das Grundspiel vor einem Jahr mit Verachtung und Kritik straften. Es kam wie es kommen musste. Rainer bekommt Gehalt, hat alles Interessante durchgespielt, Halo 5: Guardians erscheint erst in zwei Wochen: Fuck that shit! Ich habs ja! Also hab ich mein Paypal-Konto tatsächlich mit 40 Euro belastet. Das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen! Ich zahle 70 Euro für ein Grundspiel, 30 Euro für den ersten Season-Pass und nun weitere 40 Euro für König der Besessenen. Das Ganze wäre vielleicht auch gar nicht so schlimm, denn immerhin gibt es neuen Content. Destiny ist bei weitem nicht das erste MMO, welches regelmäßige Erweiterungen erfährt. Problematisch wird’s nur, wenn eine Legendary-Edition um die Ecke kommt, die das Hauptspiel und alle bisher veröffentlichen DLCs für den Grundpreis enthält. Mittlerweile gibt’s das Teil bei Amazon für 50 Euro! Da bekommt man schon mal Lust auf einen Jägermeister, um diesen Umstand zu verdauen. Nun gut, die Entscheidung ist gefallen und wenn es einen Schuldigen gibt, muss ich nur den nächsten Spiegel aufsuchen, um ihm die Meinung zu geigen und ihm mein Portemonnaie mit den Worten „Siehst du das?! Siehst du, was du angerichtet hast?!“ unter die Nase zu halten.

Zunächst sollte ich noch erwähnen, dass ich bis heute keinen Raid beendet habe. Vielleicht ist es dem Umstand geschuldet, dass Raids nicht automatisch mit zufälligen Spielern verbinden, sondern feste Gruppen benötigt werden. Diesem Umstand ist es geschuldet, dass ich Crota nie kennengelernt habe, denn der wird während eines Raids in einer der ersten Erweiterungen gekillt. So gesehen fehlt mir der Kontext, wenn Oryx, der König der Besessenen und gleichzeitig der Vater des Vollstreckten, ziemlich pissed ist. Der kommt nun nämlich mit seiner gigantischen Weltraumstation um die Ecke und ist auf Rache aus. Da die Dunkelheit sein Verbündeter ist, bedient er sich an dutzenden von Schattenwesen, basierend auf den Völkern des Destiny-Universums. Sollte ein Gefallener, ein Schar, ein Vex oder ein Kabale von der Dunkelheit besessen werden, sind diese Figuren viel wendiger, können ruckartig ihre Position verändern und sich im schlimmsten Fall sogar verdoppeln. Keine Frage, es ist ein Quotenfeind, vergleichbar mit den Borg aus Star Trek oder der Flood aus dem Halo-Universum, aber dennoch atmosphärisch sehr überzeugend. Der Kampf gegen Oryx wird nun in einigen Story-, Strike- und Bonusmissionen erzählt, teilweise mit sehr schönen CGI-Cutscenes. Aber die Story ist nur ein Teil der neuen Inhalte, abseits des veränderten Spielgefühls.

Die größte Änderung beginnt mit der Aufspaltung des Hüter-Levels in einen Erfahrungs- und Licht-Level. Im Hauptspiel stieg man durch Erfahrungspunkte bis zu einem Maximallevel auf und musste danach auf neue Rüstungsgegenstände setzen, um den Anstieg nachträglich per Lichtwert fortzusetzen. Der Maximallevel wird nun auf 40 angehoben, während der Lichtlevel in den ersten Story-Missionen ruckartig dreistellig wird, sobald der erste Geist ausgetauscht wird. Ja, liebe Freunde! Es gibt neue Geister, mit neuen Fähigkeiten und Eigenschaften, die auch verbessert werden können. Verbesserungen und Upgrades der Ausrüstung sind der wesentliche Grund dafür, warum Destiny eine ganze Ecke geiler geworden ist. Es wurden nämlich haufenweise neue Ausrüstungsgegenstände eingeführt, d.h. nach „Legendär“ und „Exotisch“ ist noch lange nicht Schluss. In regelmäßigen Abständen werdet ihr während und/oder nach den Missionen mit neuem Loot belohnt. Wer seine legendären Ausrüstungsgegenstände behalten will - denn diese haben zusätzliche Funktionen - der kann auch stärkere Items zerlegen, um den Wert es ausgerüsteten Items zu erhöhen. Absolut geniales Feature! Auch neue Fähigkeiten für die Charakterklassen sind am Start, die während der Story freigespielt werden. Ansonsten wurde das Erhalten von „Ruf“ bei den einzelnen Orden erleichtert. Solltet ihr euch einem Orden verschreiben und der Ruf von Vorhut (Mission) und Schmelztigel (PvP) dorthin umgeleitet werden, so können Waffenteile oder andere Materialien gegen Ruf eingetauscht werden. Zur Erklärung: Es gibt unterschiedliche Händler, die sich jeweils unter einer bestimmten Flagge positionieren, d.h. möchtet ihr dort krasse Ausrüstung shoppen, so müsst ihr in deren Ansehen (Ruf) steigen. Das passiert natürlich, wenn ihr Missionen oder Schlachten in deren Namen absolviert. Gleichzeitig bekommt ihr dafür auch legendäre Marken, welche die Währung für neue Ausrüstung darstellen, die einiges auf dem Kasten hat. Regelmäßige Geschenke finden sich ebenfalls im Postfach. Der Motivationsfaktor des Spiels wurde also um einige Interessante Features angehoben, was das Rollenspiel-Feeling um ein Vielfaches angehoben hat.

Ebenso gibt es einen neuen Handlungsort, der diesmal kein Planet, sondern gleich das riesige Grabschiff ist, auf dem Oryx sein Unwesen treibt. Das Design lässt an die alte Alien-Ästhetik erinnern, zwischen Höhlen- und Kerkersystemen und fremdartiger, uralter Architektur. Dort finden einige Missionen statt, während es natürlich auch einen neuen Raid und den Patrouillen-Modus gibt. Der unheimliche Unterschlupf lädt jedoch auch zum Erkunden ein. Zahlreiche Geheimnisse in Form von Relikten, Artefakten, verschlossenen Truhen und Herausforderungen liegen im Verborgenen und warten darauf entdeckt zu werden. Dieser Aspekt spielt in Destiny mittlerweile eine große Rolle und bohrt das lieblose, vergangene Grinden um neue Herausforderungen auf. Items, die in Missionen erhalten werden, können an bestimmten Orten für Rituale oder andere Ereignisse benutzt werden, um z.B. starke Gegner zu beschwören oder auch neue Items zu erlangen. Destiny ist inzwischen zu einem großen Universum mutiert, in der die Kulturen verschiedener Völker Verwendung finden und in das Spielgeschehen integriert wurden. Praktischerweise herrscht hierbei dennoch kein Zwang. Jedem Spieler ist selbst überlassen, wie tief er in die Möglichkeiten eintauchen möchte, während letztendlich noch die Missionen, Raids oder die zahlreichen PvP-Modi gespielt werden können. Letztere haben übrigens auch neue Karten bekommen, während die Planeten um einige Bereiche erweitert wurden.

Ganz ehrlich! Ihr, die Destiny bisher noch nicht gespielt habt, die bis heute skeptisch waren und noch keinen Cent in dieses Spiel investiert haben, IHR…ja genau, IHR seid die neuen Glücksscheine! Ihr könnt jetzt nämlich 50 Tacken bei Amazon investieren und ein episches SciFi-MMO abstauben, welches unter dem Vertrauen der Ersteinsteiger - zwar schon gut war - aber während eines Jahres reifen konnte. Falls ihr immer noch auf eine packende Story aus seid, muss ich euch zwar den letzten Zahn der Hoffnung auch noch ziehen, aber darauf kommt es ohnehin nicht an. Wir reden hier ohnehin von Bungie! Die könnten nicht mal ihren Kindern ein Märchen vorlesen! Destiny ist und bleibt ein durchdachter 1st-Person-Shooter in Kombination mit einem komplexen Rollenspielsystem mit breit gefächerten Level- und Belohnungssystemen, verteilt auf drei Charakterklassen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, zahlreichen Missionen und PvP-Modi, eingebettet in ein atmosphärisches SciFi-Universum aus unterschiedlichen Völkern, Planeten, Geheimnissen und Gestaltungsmöglichkeiten für das eigene Abenteuer darin. Obwohl ich immer noch dabei bleibe, dass ich mit dem Grundspiel trotz einiger Kritikpunkte sehr viel Spaß hatte, so bin ich doch ziemlich erstaunt, dass Destiny dennoch eine derartige Kurve eingeschlagen hat, die heute auch den letzten Kritiker oder Ex-Interessierten aufhorchen lassen sollte. Ich ziehe jedenfalls als prinzipieller MMO-Verweigerer meine Kopfhaut vor diesem Spiel!

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