Samstag, 12. Dezember 2015

FAST Racing Neo: Tröstet F-Zero-Fans


Die Ampel zählt herunter: "THREE!" Ich umschließe mit nervösen Händen das WiiU-Tablet. "TWO!" Konzentriert warte ich eine halbe Sekunde ab, bevor ich entschlossen die A-Taste drücke und halte. Jetzt keinen Fehler machen! Der Boost-Start ist gerade zu Beginn jeder Runde wichtig! "ONE!" Keine Panik Rainer! Keine Paniwhoaaaaaaaa!!!

FAST Racing Neo ist die neuste Schöpfung des Münchner Entwicklerstudios Shin'en Entertainment, die bereits seit einigen Jahren kleinere Arcade-Games, wie Nanostray oder Nano Assault Neo für Nintendo- und andere Konsolenhersteller veröffentlichten. Der Nachfolger des eher untergegangenen FAST Racing League, welches 2011 per WiiWare veröffentlicht wurde, schreibt die Buchstaben F, A, S und T nicht umsonst im Capslock, was ebenso dafür sorgen sollte, dass sich Fans futuristischer Fun-Racer, wie F-Zero oder Wipeout genau JETZT angesprochen fühlen sollten. Hinter FRN verbirgt sich nämlich genau das, keine kreative Meisterleistung, kein Unikat und kein Anwärter des nächsten Innovationspreises, aber dennoch ein Vertreter jener Genre-Spezies, die wirklich gut funktioniert. Ihr wählt eines von drei Fahrzeugen, die letztendlich auf eine Anzahl von 10 freigespielt werden können. Die Boliden unterscheiden sich hierbei nicht nur im Design, sondern auch in Geschwindigkeit und Beschleunigung. Habt ihr euch entschieden, kämpft ihr in einem von vier Cups um die Spitzenposition, der jeweils vier Strecken. Soweit so gut!

Das Gameplay ist relativ simpel, bietet jedoch eine interessante Finesse. Neben den üblichen Schub- und Bremsmöglichkeiten, kann sich euer Fahrzeug in einer von zwei sogenannten "Phasen" befinden, nämlich blau oder orange. Diese Phase kann zu jeder Zeit frei gewechselt werden. Die Auswirkung findet sich auf der Strecke in Form von Beschleunigungsstreifen der jeweiligen Farbe. Ihr müsst also darauf achten, dass ihr in derselbe Farbe wie der Streifen erstrahlt, wenn ihr darüber braust. Gleiche Farben geben euch einen Schub, während die gegenteilige Farbe euch abbremst. Das Wechseln von Farben zum Beeinflussen des Gameplays ist seit Ikagura nichts Neues, funktioniert hier im Kontext eines Rennspiels jedoch sehr gut. Darüber hinaus befinden sich kleine Energiekugeln auf der Rennstrecke, die eingesammelt werden müssen, um eine Turbo-Leiste zu füllen. Die Herausforderung ist also Beschleunigungsstreifen mit der richtigen Farbe und der Turbo-Funktion zu kombinieren, um während des Rennens die Nase vorn zu behalten. Waffen gibt es nicht, jedoch könnt ihr eure Kontrahenten rammen und sogar während eines Boosts zum Taumeln bringen. Das sorgt für allerlei Handgemenge auf der Strecke und muss wenn möglich in das Fahrverhalten einkalkuliert werden. Die Kontrolle über die Boliden ist trotz Geschwindigkeit dennoch recht solide, natürlich je nach Fahrzeug. Zur Stabilisierung könnt ihr mit den Trigger-Tasten seitwärts gleiten.

Grafisch muss sich das Spiel nicht verstecken. Shin'en hatte schon immer ein Händchen dafür, Spiele gut aussehen zu lassen und FRN ist mitnichten eine Ausnahme. Das Spiel liefert insgesamt 16 detailverliebte und überaus abwechslungsreiche Strecken, die von Großstädten, Ruinen, Wüsten oder Schneelandschaften, bis hinzu Kursen im Weltraum oder einem Dschungel reichen. Das Streckendesign wirkt sich unter Umständen ebenfalls indirekt auf das Gameplay auf, indem Hürden, Abkürzungen oder auch Gefahren das Gebiet abstecken. Dazu gehören zum Beispiel ausbremsende Wasserfälle, Streckenabschnitte, die losgelöst-schwenkend von einem Krahn herab hängen, Feuerfontänen, die aus dem Boden schießen oder (mein Favorit) ein großer Roboter, der einfach mal über die Strasse stapft. Durch etwaige Effekte und Filter kommt ein packendes Geschwindigkeitsgefühl auf, was vom Soundtrack aus elektronischen Klängen zwischen Ambient und Drum'n Bass atmosphärisch unterstützt wird.

Neben dem Meisterschaftsmodus könnt ihr übrigens noch versuchen die Bestzeiten der Entwickler im Zeitrennen zu schlagen. Der Knüller ist jedoch der Mehrspielermodus, der Online aber auch von derselben Couch aus spielbar ist. Mit bis zu vier Spielern könnt ihr im Split-Screen eure Fahrkünste unter Beweis stellen. Das Ganze ist zum Glück mit allen Wii-Typischen Controllern spielbar, sogar mit Wiimote ohne Nunchuk, die in dem Fall den Bewegungssensor auskostet. Der Spaß geht zwar minimal zu Lasten der Framerate, was dennoch niemanden kümmern sollte, da das Spiel trotzdem noch gut spielbar ist. Man sollte ohnehin dankbar sein, dass der Modus integriert wurde, denn jedes Mal, wenn ein aktuelles Spiel einen Split-Screen-Modus besitzt, fällt mir wieder ein, wie sehr ist das vermisse. Wer den Schwierigkeitsgrad zu einfach findet, kann zwei zusätzliche Ligen freischalten, welche die Geschwindigkeit anheben und wer sich danach immer noch nicht gefordert sieht, kann versuchen den Hero-Modus freizuspielen. Was sich dahinter verbirgt, findet ihr aber bitte selbst heraus, ich persönlich will mit dem kranken Scheiß nichts zu tun haben...

Für ca. 15 Euro bekommt ihr mit FAST Racing Neo einen soliden und hübschen Fun-Racer mit großem Wiedererkennungswert und dennoch einigen eigenen Finessen. Das Preis/Leistung-Verhältnis passt, und wenn ihr öfter mal Zock-Besuch zuhause habt, würde ich das Teil sogar als absoluten Pflichtkauf einstufen.

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