Freitag, 11. Dezember 2015

Lara Croft GO: Lara für unterwegs


Ich hätte gerne ein bekanntes Videospiel-Franchise für to GO, bitte! Im April des letzten Jahres schickte Square Enix den beliebten Glatzkopf-Killer Agent 47 auf das Spielfeld eines digitalen Brettspieles. Hitman GO verband rundenbasiertes Gameplay mit abgepasster Strategie in einem absolut knuffigen Tabletop-Look. Etwas mehr als ein Jahr später, bekommt nun auch die Kultarchäologin Lara Croft ihre Version des Konzepts für iOs, Android, Windows Phone und Windows 8 bzw. 10 (lol?) spendiert und macht auch in der Miniaturausgabe eine sehr gute Figur.

In Lara Croft GO steuert ihr die namensgebende Heldin durch ein unterirdisches Höhlensystem und sucht in rundenbasierten Herausforderungen nach dem Ausgang zum nächsten Abschnitt. Mit Blick auf eine isometrische Perspektive, wischt ihr mit dem Finger in die zu laufende oder kletternde Richtung. Zwei Dinge sind hierbei zu beachten: Zunächst sind die zu begehenden Wege nicht frei sondern wie bei einem Brettspiel vorgegeben, des Weiteren geschehen die Bewegungen rundenbasiert. Lara bewegt sich also einzeln von Feld zu Feld, ebenso wie etwaige Mechanismen, Fallen oder Ungeheuer, mit denen sich die Abenteuerin konfrontieren muss. Das wirkt zu Beginn etwas stockend auf Kosten des Spielflusses, macht jedoch mit Fortschreiten des Spiels und der Entfaltung notwendiger Strategien immer mehr Sinn. Eine intuitive Bedienung, die gänzlich ohne Tutorials auskommt, spricht letztendlich für das Spielkonzept.

Gefährliche Tiere und Monster werden zu Beginn der Level auf dem Spielfeld platziert und verhalten sich unterschiedlich. Einige bleiben regungslos stehen, andere laufen vorgegebene Wege ab, andere Folgen der Archäologin bei Sichtkontakt. Befindet sich Lara im Blickfeld des Ungeheuers und auf einem angrenzenden Feld, machen die Viecher kurzen Prozess. Gewinnen kann Lara nur, wenn sie sich von hinten oder der Seite anschleicht und ihre Pistolen den Rest erledigen. Lanzen und Fackeln verschaffen ihr bei der Jagt einen Vorteil, jedoch unter Vorsicht. Denn die Monster müssen nicht immer aus dem Verkehr gezogen, sondern ebenfalls zum Aktivieren von Schaltern und Fallen missbraucht werden. Das Vorausahnen von Bewegungen, Fallen und sich bewegenden Plattformen muss dementsprechend einkalkuliert werden und macht die Herausforderung des Spielkonzepts aus.

Die Präsentation des Spiels mag optisch minimalistisch erscheinen, entzieht sich jedoch nicht einem gewissen Charme zwischen Niedlichkeit und Plastizität. Die Vermittlung eines Brettspiel-Gefühls durch die Sicht eines Bildschirms hindurch funktioniert tadellos, hauptsächlich durch die schönen Animationen und der stimmig-mysteriösen Musik- und Geräuschkulisse. Inhaltlich fehlt es an nichts. Man bekommt Lara Croft, Gegner, Fallen, Schalter und Rätsel, also alles was man mit Tomb Raider verbinden würde, eingewoben in ein nicht-hektisches Genre und gegliedert in mehrere frei-anwählbare Kapitel und kurze Levelabschnitte. Es ist der Mix aus allem, was sich perfekt für das kurzfristige Spielen für zwischendurch und unterwegs eignet. Spieler mit Sammelleidenschaft können ebenso die Abschnitte wiederholen und eine Vielzahl von verstreut-versteckten Vasen zum Vorschein bringen. Mehr als eine Momentaufnahme ohne jegliche Dialoge und Gedanken, sollte man jedoch erzählerisch nicht erwarten. Für einen Preis von ca. fünf Euro lohnt sich die Odyssee dennoch, und zwar nicht nur für Fans von Frau Croft, sondern ebenso für Fans von Brettspielen und strategischen Puzzles.

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